Herausforderungen in der Lehrlingsausbildung meistern mit Supervision und Mediation
- Manuela Nigsch

- 25. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Ein Lehrling vergisst zum dritten Mal in einer Woche ein wichtiges Werkzeug. Darauf angesprochen reagiert er mit einem Achselzucken und einem kurzen „Ja, eh…“ und wendet sich wieder den Kolleg:innen zu.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Solche Situationen sind im Alltag vieler Ausbilder:innen keine Ausnahme. Sie lösen Frust, Hilflosigkeit oder auch Ärger aus. Doch so herausfordernd das Verhalten wirkt – dahinter steckt meist keine böse Absicht, sondern ein ganz natürlicher Entwicklungsprozess.
Supervision und Mediation können helfen, den Herausforderungen in der Lehrlingsausbildung zu begegnen.

Das jugendliche Gehirn: Vernunft macht oft Pause
Die Neurowissenschaften zeigen: Das Gehirn von Jugendlichen ist mitten im Umbau. Der präfrontale Kortex – zuständig für Planung, Impulskontrolle und Abwägen – ist erst mit Mitte 20 vollständig ausgereift. Dagegen ist das limbische System, das Emotionen und Belohnungen steuert, schon früh hochaktiv.
Die Folge: Jugendliche handeln oft emotional, suchen das Risiko und reagieren stärker auf unmittelbare Belohnungen. Für Sie im Alltag kann das bedeuten: Ihr Lehrling entscheidet spontan, ohne die Konsequenzen zu bedenken, oder testet Grenzen aus, um Anerkennung zu spüren.
Hinzu kommen hormonelle Veränderungen und eine verschobene Melatoninproduktion, die den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst. Kurz gesagt: Konzentrationsprobleme am Morgen oder Stimmungsschwankungen sind weniger „schlechtes Benehmen“ als vielmehr biologisch erklärbar.
Identität, Emotionen, Peers: Jugendliche auf der Suche nach sich selbst
Neben der biologischen Entwicklung steht die Identitätsfindung im Zentrum. Jugendliche fragen sich: Wer bin ich? Wo gehöre ich dazu? Welche Rolle spiele ich in meinem Umfeld? Dieses Ringen führt zu Widersprüchen: Mal passen sich Lehrlinge bereitwillig an, mal stellen sie Regeln infrage oder suchen bewusst die Abgrenzung.
Ein Beispiel: Eine 17-jährige Lehrtochter hält sich in der Berufsschule an Absprachen, diskutiert aber im Betrieb jede Arbeitsanweisung. Das als Respektlosigkeit zu interpretieren, greift zu kurz.
Gleichzeitig spielt die Peer-Gruppe eine enorme Rolle. Gleichaltrige bieten Orientierung, Rückhalt und Anerkennung. Das kann positiv wirken – wenn Freundeskreise leistungsorientiert sind – oder aber zu Konflikten führen, wenn der Gruppendruck Regeln außer Kraft setzt.
Wenn Theorie auf Praxis trifft: Die größten Herausforderungen in der Lehrlingsausbildung
Die Entwicklungsaufgaben der Jugendlichen treffen im Berufsalltag auf klare Strukturen, Pflichten und Verantwortung. Typische Stolpersteine sind:
Impulsives Verhalten: Ein Lehrling reagiert heftig, wenn Kritik geäußert wird.
Risikobereitschaft: Jugendliche probieren Grenzen aus – manchmal auch auf Kosten der Sicherheit.
Kommunikationsschwierigkeiten: Generationsunterschiede sorgen für Missverständnisse, man kann das Gefühl haben: „Die Jungen verstehen uns nicht mehr“
Konflikte im Team: Spannungen zwischen Lehrling und Ausbilder:in oder zwischen Lehrlingen selbst.
Viele dieser Situationen sind also entwicklungsbedingt. Entscheidend ist, wie Sie als Ausbilder:in reagieren.
Struktur statt Strafe: Wie Sie den Alltag erleichtern
Jugendliche brauchen einen Rahmen und Orientierung. Dazu zählen beispielsweise:
Klare Regeln & Konsequenzen: Struktur ist wichtig. Regeln sollen klar kommuniziert und konsequent, aber fair umgesetzt werden.
Positive Verstärkung: Lob und Anerkennung wirken stärker als Kritik. Wer sich gesehen fühlt, ist eher bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Offene Kommunikation: Suchen Sie das Gespräch auf Augenhöhe. Jugendliche merken schnell, wenn man sie nicht ernst nimmt.
Mentoring & soziale Unterstützung: Fördern Sie gute Peer-Beziehungen und schaffen Sie Räume, in denen Lehrlinge voneinander lernen können.
Konfliktregulation: Sprechen Sie Spannungen frühzeitig an – das verhindert Eskalationen und spart Energie.
Wenn es knirscht: Wie Supervision und Mediation bei Herausforderungen in der Lehrlingsausbildung helfen können
Wenn sich Konflikte verhärten oder die Beziehung belastet ist kann professionelle Begleitung hilfreich sein:
Supervision bietet Raum, die eigene Rolle zu reflektieren, Muster zu erkennen, Handlungsmöglichkeiten für herausfordernde Situationen zu entdecken und die Professionalität weiterzuentwickeln. Dies kann im Einzel-Setting oder gemeinsam mit anderen in der Gruppe geschehen - und zwar nicht nur, wenn es knirscht, sondern durchaus auch präventiv.
Mediation ist hilfreich, wenn Konflikte zwischen Lehrling und Ausbilder:in oder innerhalb eines Teams festgefahren sind.

Mein Name ist Manuela Nigsch. Ich bin Supervisorin, Coach und Mediatorin mit langjähriger Erfahrung in der Privatwirtschaft. Als studierte Wirtschaftspädagogin habe ich viele Jahre mit Schüler:innen im Alter von 14 und 19 Jahren gearbeitet. Das Wissen und die Erfahrungen aus diesen Tätigkeitsfeldern kombiniere ich, um Ausbilder:innen in ihrem beruflichen Wirken unterstützen.
Jugendliche sind Menschen im WERDEn. Wenn sie richtig begleitet werden, blühen sie auf. Das zu tun, ist für Ausbilder:innen eine schöne und gleichzeitig auch herausfordernde Aufgabe.
Wenn Sie Lehrlinge ausbilden, Herausforderungen in der Lehrlingsausbildung erleben und sich professionelle Unterstützung in Form von Supervision oder Mediation wünschen, dann freue ich mich, von Ihnen zu hören:




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